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Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen

In den letzten Jahren gerieten zahlreiche bekannte deut­sche Unter­neh­men und Organisa­tio­nen ins Visier von Ransomware-Gruppen oder tauchten auf Hacker-Leak-Seiten auf. Die genauen Umstände, das Ausmaß und die Be­stäti­gung der einzel­nen Vor­fälle unter­scheiden sich stark - nicht alle wurden von den be­troffenen Firmen offiziell veri­fiziert.

Diese Liste enthält einige der bekannt ge­wordenen Cyber­angriffe in Deutsch­land seit 2016 - ohne Anspruch auf Voll­ständig­keit. Jähr­lich gibt es hunderte weitere, kleinere Vorfälle bei Kommunen und Unter­neh­men, die hier nicht einzeln auf­geführt werden. 2023 gab es 134.000 polizei­lich regis­trierte Fälle von Cyber­kriminalität.

2025

Flughafen-Abfertigung (September 2025): Ein Ransomware-Angriff traf nicht den Flug­hafen BER direkt, sondern den Dienst­leister Collins Aerospace, dessen Check-in-Software MUSE an vielen europäi­schen Flug­häfen läuft. Die Folge: tage­lange manuelle Ab­fertigung, Ver­spätungen und Flug­ausfälle am BER.

Adidas-Kundendaten (Mai 2025): Über einen externen Kunden­dienst­anbieter griffen Unbefugte auf Kontakt­daten (Namen, E-Mail, Telefon, teils Adressen) zu Kunden zu, die den Adidas-Kunden­service kontak­tiert hatten. Passwörter und Zahlungs­daten waren nicht be­troffen.

Thermomix-Community (Februar 2025): Zwischen dem 30. Januar und dem 3. Februar 2025 bestand eine Sicherheits­lücke in der Thermomix-Rezept-Community des Her­stellers Vorwerk. Angreifer erbeuteten dabei Nutzerdaten von schätzungs­weise rund 3,3 Millio­nen Nutzern - über­wiegend E-Mail-Adressen und weitere Profil-Informa­tionen - die an­schließend im Darknet zum Verkauf an­geboten wurden.
Vorwerk schaltete den be­troffe­nen Server ab, schloss die Lücke und warnte die Be­troffe­nen, da die Daten vor allem für Phishing-Angriffe miss­braucht werden könn­ten.

2024: Deutsches Meeresmuseum / Ozeaneum Stralsund

Im März 2024 drangen Hacker in die Systeme des Meeres­museums und Ozeaneums in Stralsund ein und legten die digitale Infra­struk­tur lahm. Kassen- und Buchungs­systeme muss­ten wochen­lang analog be­trieben werden.

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2023: über 72 Kommunen in NRW

In der Nacht zum 30. Oktober 2023 ver­schlüsselte die Ransomware-Gruppe Akira die Systeme des kommunalen IT-Dienst­leisters Süd­westfalen-IT. Dadurch wurden zunächst 72, später über 100 Kommunen in Nordrhein-Westfalen und an­grenzen­den Gebieten be­troffen waren. Bürger­ämter, Kfz-Zulassungs­stellen, Standes­ämter und teil­weise auch Kranken­haus-IT fielen wochen- bis monate­lang aus. Der Vorfall gilt als der bislang größte kommunale Cyber­angriff in Deutsch­land.

2023: Rheinmetall

Nachdem der Rüstungskonzern Rhein­metall bereits im März 2023 von einem DDoS-Angriff be­troffen war, folgte im April 2023 ein Angriff auf das zivile Geschäft des Konzerns. Der Betrieb mehrerer Tochter­firmen welt­weit wurde dadurch teil­weise ge­lähmt, aber das Rüstungs­geschäft selbst blieb unberührt.

2022: Continental

Der Autozulieferer Continental bemerkte im August 2022 einen bereits seit Juli laufenden Angriff der Lockbit-Gruppe, bei dem rund 40 Terabyte an Daten ent­wendet wurden - darunter Strategie­papiere und tech­nische Unter­lagen von Kunden wie VW, Mercedes-Benz und BMW. Im Novem­ber 2022 forderte Lockbit 50 Millio­nen US-Dollar für die Löschung der Daten, worauf Conti­nental nicht ein­ging.

2022: IHK Deutschland

Ein koordinierter Cyberangriff legte 2022 alle 79 deut­schen Industrie- und Handels­kammern gleich­zeitig lahm, da sie eine gemein­same IT-Infra­struk­tur nutz­ten. Online-Services für Millio­nen Mitglieds­unternehmen fielen aus, unter ande­rem konn­ten Ausbildungs­verträge nicht be­arbei­tet werden.

2021: Landkreis Anhalt-Bitterfeld

Am 9. Juli 2021 rief der Landkreis Anhalt-Bitter­feld nach einem Ransomware-Angriff als erster Land­kreis in Deutsch­land den Cyber-Katastrophen­fall aus. Server wurden ver­schlüsselt, Sozial­hilfe­anträge konn­ten nicht be­arbeitet werden, und die Verwal­tung war wochen­lang nur tele­fonisch oder posta­lisch er­reichbar.

2021: Landkreis Ludwigslust-Parchim

Im Oktober 2021 verschlüsselte Ransomware die komplette IT-Infra­struk­tur des Land­kreises Ludwigslust-Parchim in Mecklen­burg-Vorpommern, der als schwers­ter kommunaler Hack in Deutschland gilt. Kfz-Zulassun­gen, Ausweis­anträge und Sozial­leistun­gen fielen monate­lang aus, die Wieder­herstel­lung kostete Millio­nen.

2020: Uniklinik Düsseldorf

Im September 2020 wurden die IT-Systeme der Uni­klinik Düssel­dorf durch einen Ransomware-Angriff ver­schlüsselt, wodurch die Not­aufnahme vorüber­gehend ge­schlossen werden musste. Eine Patientin, die des­halb in eine weiter ent­fernte Klinik ver­legt wurde, verstarb - der Fall gilt als mög­li­cher erster Todes­fall in Deutsch­land im Zusammen­hang mit einem Cyber­angriff, wobei ein direk­ter Kausal­zusammen­hang juris­tisch nicht ab­schließend ge­klärt wurde.

2021: Volksbanken

Anfang Juni 2021 legten massive DDoS-Angriffe die Rechen­zentren der Fiducia & GAD IT lahm, dem zentralen IT-Dienst­leister der Volks- und Raiffeisen­banken. Rund 820 Banken waren be­troffen: Online-Banking, Apps und Web­seiten waren zeit­weise nicht er­reichbar.

2019: Politiker-Datenleak ("Doxing")

Kurz vor Weihnachten 2018 und im Januar 2019 bekannt ge­wordene Daten­lecks: Persönli­che Daten von hunder­ten Politi­kern, Journalis­ten und Prominen­ten - darunter Kontakt­daten, Kredit­karten­informa­tio­nen und private Chats - wurden über einen Twitter-Account ver­öffent­licht. Als Täter wurde später ein 20-jähri­ger Schüler aus Hessen identi­fi­ziert, der die Daten über Monate ge­sammelt hatte.

2019: Kammergericht Berlin

Im September 2019 infizierte sich das Berliner Kammer­gericht mit der Schad­software Emotet, vermut­lich über eine Phishing-Mail. Das gesamte Netz­werk musste vom Internet ge­trennt werden, und die IT-Infra­struk­tur des Gerichts war monate­lang nur ein­geschränkt nutz­bar.

2016: Angriff auf Router

Ende November 2016 legte eine Malware rund ↗900.000 DSL-Router der Deut­schen Telekom lahm - über eine Sicher­heits­lücke im Fern­wartungs­protokoll. Das Ziel war, die End­geräte in ein Bot­netz zu inte­grieren. Die Angriffe führ­ten zu massi­ven Internet­ausfällen bei be­troffe­nen Kunden, da die Router dabei ab­stürz­ten oder sich nicht mehr neu ver­binden konn­ten.

Der Gerätehersteller Zyxel lieferte Updates aus, welche die Sicher­heits­lücke schlossen.
Ein 29-jähriger Brite wurde am Londoner Flug­hafen fest­genommen, der sich 2017 vor dem Kölner Land­gericht schuldig be­kannte. Nach seinen Aus­sagen handelte er im Auf­trag eines liberia­nischen Tele­kommunika­tions-Unternehmens, wofür er 10.000 US-Dollar er­halten hatte.

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