LLM auf lokalem PC ausführen • Aidex  • KI  • Impressum  • Datenschutz
KI auf deinem PC

Seit 2025 ist es möglich, Sprachmodelle off­line auf einem normalen PC aus­zu­füh­ren, also unab­hängig von einem Betrei­ber im Inter­net. Beim Betrieb auf dem eigenen PC hat man be­züg­lich Personen­daten und Firmen­geheim­nissen weniger Probleme mit dem Daten­schutz, weil die Eingaben nicht nach außen über­tragen werden.

Ermöglicht wurde der lokale Betrieb durch die Ver­öffent­li­chung kom­pak­ter und kosten­loser Modelle (Open-Weight-Modelle) basie­rend auf einem Bündel neuer Techni­ken zur Ver­kleine­rung, z.B. Distilla­tion und Quanti­sie­rung, siehe unten.

Die runterladbaren Modelle selbst sind passive Dateien, mit Größen be­ginnend ab 3 Giga­byte. Um ein Modell quasi "zum Leben" zu er­wecken, wird ein Pro­gramm be­nötigt - all­gemein kurz als „Model Runner“ oder „LLM Runner“ oder „Local LLM Client“ be­zeich­net.

Ein solches Anwendungsprogramm besteht aus der Ober­fläche, in die man seine Fragen und Aufgaben ein­gibt, sowie die im Hinter­grund arbei­ten­de „LLM Inference Engine“. Die Inference Engine ist ein Berech­nungs­programm, das Texte tokeni­siert und mittels Matrizen­berechnun­gen den Antwort-Text erzeugt.

Bekannte LLM Runner sind „LM Studio“ und „Ollama“, die beide unten be­schrie­ben werden. Beide Pro­gramme sind kostenlos, gehören aber zu kommer­ziel­len Unter­nehmen. Beide nutzen die Inferenz-Engine ↗llama.cpp bzw. ggml, das seit 2023 als OpenSource ent­wickelt wird.

„Ollama“ ist Open Source, „LM Studio“ ist proprietär. Beide sind kostenlos für die gängi­gen Betriebs­systeme macOS, Windows und Linux ver­füg­bar. Für iOS und Android gibt es andere Projekte, jedoch waren Smart­phones bisher nicht leistungs­stark genug für größere Modelle.

Ausprobiert: LM Studio

Ich habe ↗LM Studio (Chat) herunter­geladen, nicht Bionic (Agent). Der Agent braucht große Sprach­modelle und viel Rechen­power. Ich wollte hin­gegen einen Chat auf einem kleinen Büro-PC aus­probie­ren. Es ist wohl das Geschäfts­modell des Her­stellers, bei größe­rem Bedarf doch die kosten­pflichtige Cloud an­zubieten.

Nach dem Installie­ren von LM-Studio habe ich im Pro­gramm als Nutzer-Typ den „Power User“ aus­ge­wählt, damit alle Optio­nen an­ge­zeigt werden.
Skip: Das Programm schlug mir vor, das 11 GB große Sprach­modell „openai / gpt-oss-20b“ herunter­zuladen, was mir für meinen älte­ren PC als zu groß er­schien. Außerdem kann der Down­load ein oder zwei Stunden dauern, wes­halb ich den Vor­schlag ge"skip"t habe.

Modellsuche: In der normalen Programm­oberfläche sieht man links eine Lupe. Nach Klick wird eine Liste ver­füg­barer Modelle an­ge­zeigt. Ich habe mich in der Liste zu­nächst für ein 4 GB großes Modell ent­schie­den. LM-Studio kann Modelle ver­wen­den, die im GGUF-Format bereit­stehen. GGUF (GPT Genera­ted Unified Format) ist ein effi­zien­tes Datei­format und ist ein De-facto-Standard ge­worden.

Nachdem ein Modell herunter­geladen wurde, muss man es akti­vie­ren. Dadurch blo­ckiert das Modell den Arbeits­speicher so lange, bis man es wieder de­akti­viert (oder bis das Pro­gramm be­endet wird).

Im Vergleich zu den bekannten kommer­ziel­len Online-Model­len (ChatGPT, Claude, Vibe u.a.) wer­den Sie fest­stel­len, dass die Quali­tät der kompri­mier­ten Modelle nicht mit­hal­ten kann. Mir ist auf­ge­fal­len, dass die klei­nen Modelle viel labern und stark ab­schwei­fen, ohne genau auf die Frage ein­zu­gehen. Manch­mal kann man den Laber­fluss nur durch den Stop-Button be­enden. Mittels der Option „Limit response length“ kann man die Antwort­länge be­gren­zen, damit sich das Modell nicht end­los ver­rennt.

Wie ich bei einem anderen Test mit Ollama fest­gestellt habe, verrennen sich größere Modelle nicht der­maßen. Sie bleiben besser beim Thema und finden selber ein Ende.

Ausprobiert: Ollama

Ollama ist Open Source (im Gegen­satz zu LM Studio) und ist seit Mitte 2025 auch als Desktop-App ver­fügbar. Der Programm-Download ist bereits 1,5 GB groß, weil mehrere Programm­biblio­theken für ver­schiedene CPUs/GPUs ent­halten sind.

Das Runterladen der ↗Modelle läuft per Kommando­zeile, z.B.

ollama pull qwen3.5:9b
ollama pull gemma4:12b
- diese mit 6,6 GB bzw. 7,4 GB Download­größe. Die Modelle sind an­schließend sofort in der Programm­oberfläche ver­fügbar.

Auch in Ollama hatte ich anfangs kleinere Sprach­modelle mit nur 3 GB Größe ge­testet, habe dabei aber die gleichen schlech­ten Er­fahrun­gen ge­macht wie bei LM Studio, siehe oben. Die kleinen Sprach­modelle sind wie Wirr­köpfe mit Laber­fluss. Das ist mir den Strom nicht wert. Ich kann mir nicht vor­stellen, dass das einen prakti­schen Nutzen haben kann.

Gemma ist ein Modell von Google USA, ↗Qwen ein Modell von Alibaba Singapur (Mutter­konzern in China). Die Offline-Nutzung eines ausländi­schen Modells auf dem lokalen PC ist unbedenk­lich. Bei dem von China ge­prägten Modell kann man evtl. bei der Frage nach dem Tiananmen-Massaker nicht die gleiche Antwort er­warten wie von einem west­lichen Sprach­model. Und ob sich die Modelle aus den USA und China in Fragen von Kapitalis­mus und Sozialis­mus unter­scheiden, habe ich (noch) nicht ge­testet.

Optimiert: Open-Weight-Modelle

Neue Modell-Architekturen sind so konzi­piert, dass sie weniger Ressour­cen be­anspru­chen, etwa durch spar­samere Attention-Mechanis­men oder einen modu­la­ren Aufbau. Das Zusam­men­spiel aller Opti­mie­run­gen er­mög­licht es, dass nun Sprach­modelle mit Milliar­den Parame­tern auf norma­len PCs lauf­fähig sind.

Ein zentraler Ansatz ist die Modell-Distillation: Dabei überträgt ein großes „Teacher“-Modell sein Wissen auf ein kleine­res „Student“-Modell, das mit deut­lich weniger Parame­tern nahe­zu ver­gleich­bare Ergeb­nisse lie­fert.

Ergänzend spielt die Quantisierung eine ent­schei­den­de Rolle: die Gewichte des Modells werden in kleinere Zahlen­formate (z.B. 8 Bit oder 4 Bit) um­ge­rech­net, was den Speicher­bedarf und die Rechen­zeit massiv redu­ziert.

Darüber hinaus sorgt das Pruning dafür, dass selten ge­nutzte oder redun­dan­te Teile des Netz­werks ent­fernt wer­den, ohne die Modell­güte stark zu be­ein­träch­ti­gen.

Ergänzt werden diese Methoden durch Frame­works wie MLC-LLM (Opti­mie­rung für spezi­fi­sche Hard­ware) oder z.B. TensorRT-LLM (hersteller­spezi­fi­sche High-Perfor­mance-Libra­ry), die die Hard­ware effi­zient aus­nutzen und CPUs, GPUs oder NPUs ge­zielt an­spre­chen.

Q4_K_M und ähnliche Abkürzungen findet man in den Datei­namen. Q4 be­deu­tet eine Quanti­sie­rung auf 4 Bit. K-Quanti­sie­rung be­deutet eine vari­able Skalie­rung, und das M (Medium) steht für selek­tive Kompri­mie­rung. Q4_K_M wird oft als der beste All­round-Kompro­miss zwischen Größe, Geschwin­dig­keit und Quali­tät für die meis­ten Be­nutzer an­ge­sehen.

Text: Jörg Rosenthal, Aidex GmbH Software, 2025 - 2026